Elisabeth Scharfenberg

Mitglied im Deutschen Bundestag
14.12.2016

Umfrage unter Pflegekräften: Hoch motiviert gestartet - am Schluss frustriert

Zur Vorstellung der Ergebnisse der Umfrage „Was beschäftigt Pflegekräfte?“

Viele Pflegekräfte sind stolz auf ihre Arbeit. Das ergab die Umfrage unter Pflegekräften, die ich im Mai dieses Jahres durchgeführt habe. Rund 4500 Pflegekräfte haben daran teilgenommen. Eine überwältige Resonanz, die zeigt: Den Pflegekräften brennt es unter den Nägeln. Und sie wollen mitteilen, was falsch läuft.

Was das ist, zeigt die Umfrage deutlich. Wenn sich fast 80 Prozent der Pflegekräfte nicht vorstellen können, den Beruf bis zur Rente auszuüben und ein Drittel der Auszubildenden in der Pflege / Pflegeschüler nach der Ausbildung vermutlich den Beruf wechseln – sind das Alarmzeichen. Die Ursachen werden klar benannt: permanenter Zeitdruck, Personalmangel, fehlende gesellschaftliche Anerkennung, schlechtes Gehalt. Der Fachkräftemangel in der Pflege ist nicht nur demographisch bedingt. Er ist auch hausgemacht, und er wird sich weiter zuspitzen.

Es liegt nicht am Berufsbild selbst. Die große Mehrzahl der Pflegekräfte ist stolz auf ihren Beruf und weiß, dass sie Wertvolles leistet. Sie verzweifeln aber daran, die gute Pflege, die sie leisten wollen, nicht leisten zu können. Viele steigen vorzeitig aus dem Beruf aus. Oder gar nicht erst ein, wie viele Pflegeschülerinnen und -schüler, die schon in der Ausbildung feststellen: Es fehlt an Zeit für gute Pflege und für gute Praxisanleitung.

Wir müssen den Zeitdruck abbauen. Wir brauchen in Heimen und Krankenhäusern endlich ein bundesweit verbindliches Personalbemessungsinstrument, das klar anzeigt wie viel Personal wie viele Menschen umsorgen soll und kann. Die betriebliche Gesundheitsförderung für Pflegekräfte muss verbessert werden. Und auch für die Pflege gilt, Privatleben muss mit dem Beruf vereinbar sein. Die Praxisanleitung von Auszubildenden sollte gesondert finanziert werden und Auszubildende nicht mehr in den Stellenschlüssel angerechnet werden.

Auch eine Ausbildungsreform wäre ein wichtiger Schritt, um den Beruf attraktiver zu machen. Die laufende Reform, bei der die bisherigen Ausbildungen von Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege zu einem Ausbildungsberuf zusammengefasst werden, halte ich für ungeeignet. Sie wird zum Verlust von Fachwissen und zum Abbau von Ausbildungsplätzen führen und den Fachkräftemangel noch verstärken.

Ergebnisse der Umfrage können Sie auf meiner Homepage nachlesen:

http://elisabeth-scharfenberg.de/umfrage.html

 


« zurück

Nächste Termine

  • 25.04. Podiumsdiskussion ALTENPFLEGE 2017, Nürnberg
  • 09.05. Podiumsdiskussion Diakonie Fachtag "Sektorenübergreifende Versorgung multimorbider alter Menschen", Berlin
  • 18.05. Podiumsdiskussion Jura Health Kongress, Köln
  • 26.05. Workshop "Gut pflegen" im Rahmen des Evang. Kirchentags, Berlin
  • 30.05. Podiumsdiskussion Altenheim EXPO, Berlin